Das Hilfesystem der statistischen Umgebung XploRe trug die Bezeichnung Auto Pilot Support System. Es war nicht als nachgeordnetes Nachschlagewerk angelegt, sondern sollte die laufende Arbeit begleiten und anleiten. Der Begriff Auto Pilot beschreibt diesen Anspruch: Unterstützung, die mitläuft, statt erst bei einer Störung aufgesucht zu werden.

Aufbau
Das System war zweigeteilt aufgebaut. Auf der einen Seite stand ein dauerhaft sichtbares Inhaltsverzeichnis, über das sich die Bereiche der Dokumentation ansteuern ließen; daneben wurde der jeweils gewählte Inhalt angezeigt. Diese Anordnung – Verzeichnis links, Inhalt rechts – ist bei Dokumentationssystemen bis heute gebräuchlich, weil sie die Orientierung erhält: Der Leser sieht durchgehend, an welcher Stelle des Gesamtbestands er sich befindet.
Erreichbar waren über dieses Verzeichnis sowohl die Tutorials als auch der Funktions- und Stichwortindex. Die Hilfe fasste damit zwei sehr unterschiedliche Textsorten unter einem Dach zusammen: fortlaufende Lehrtexte und knappe Nachschlageeinträge.
Der automatische HTML-Konverter
Der technisch interessanteste Bestandteil war ein automatischer HTML-Konverter. Er sorgte dafür, dass Quantlets und Bibliotheken reibungslos in das Hilfesystem eingebunden wurden. Da die Umgebung darauf angelegt war, von den Anwendern durch eigene Verfahren erweitert zu werden, entstand fortlaufend neuer Code – und damit neuer Dokumentationsbedarf. Der Konverter erzeugte die zugehörigen Hilfeseiten selbstständig und hängte sie an der richtigen Stelle ein.
Damit war eine Trennung aufgehoben, die andernorts erhebliche Mühe verursacht. Ein selbst geschriebenes Verfahren, das nur der Verfasser kennt, ist für eine Arbeitsgruppe wenig wert. Wird die Dokumentation aus dem Code erzeugt und automatisch verfügbar gemacht, kann die Erweiterung von anderen aufgegriffen werden. Für eine Umgebung, deren Methodenbestand ausdrücklich wachsen sollte, war das eine tragende Eigenschaft und nicht eine Annehmlichkeit – nachzulesen auch auf der Seite zur Produktphilosophie.
Zwei Zugangswege zum Befehlsumfang
Für das Auffinden eines Befehls bot das System zwei Wege an. Der eine führte über Stichwörter und war alphabetisch geordnet – gedacht für den Fall, dass die Bezeichnung bereits bekannt ist. Der andere führte über Funktionsgruppen und ordnete die Befehle thematisch – gedacht für den umgekehrten Fall, dass der Anwender weiß, welche Art von Aufgabe zu lösen ist, aber nicht, wie das passende Verfahren heißt.
Beide Wege parallel anzubieten ist eine bewusste Entscheidung. Ein rein alphabetisches Verzeichnis nützt nur dem, der den Namen kennt; eine rein thematische Gliederung erschwert das schnelle Nachschlagen. Ausführlicher beschreibt dies die Seite zum Funktions- und Stichwortindex.
Hilfe als Teil der Arbeit, nicht als Anhang
Die Bezeichnung Auto Pilot Support System benennt einen Unterschied, der sich in der Anlage des Systems wiederfindet. Eine Hilfe, die als Anhang gedacht ist, wird aufgesucht, wenn etwas nicht funktioniert; sie ist auf Störungsbehebung ausgelegt. Eine Hilfe, die die Arbeit begleiten soll, muss dagegen auch dann brauchbar sein, wenn nichts schiefgegangen ist – etwa um zu erfahren, welche Verfahren für eine Aufgabe überhaupt zur Verfügung stehen.
Genau dafür war die Doppelung aus fortlaufendem Lehrtext, thematischer Gliederung und alphabetischem Register angelegt. Die drei Zugänge decken drei verschiedene Ausgangslagen ab, und keiner von ihnen setzt voraus, dass ein Fehler aufgetreten ist. Für eine Umgebung, in der Anwender eigene Verfahren schreiben und dabei laufend nachsehen müssen, wie sich bestehende Routinen aufrufen lassen, war das die passende Bauform.
Einordnung
Software der 1990er-Jahre wurde in der Regel mit gedruckten Handbüchern ausgeliefert; Bildschirmhilfe war häufig eine knappe Zweitfassung davon. Ein System, das die Dokumentation als eigenen, durchsuchbaren und automatisch erweiterbaren Bestand behandelt, war zu dieser Zeit nicht selbstverständlich. Dass die Academic Edition zusätzlich ein gedrucktes Handbuch von 526 Seiten enthielt, zeigt allerdings, dass beide Formen zunächst nebeneinander standen.
Betreut wurde das Hilfesystem von MD*TECH Method and Data Technologies, dem Unternehmen, das die Umgebung vertrieb und pflegte. Die inhaltliche Grundlage entstand im Umfeld der Statistiker an der Humboldt-Universität zu Berlin, aus dem auch die e-book-Reihe hervorging.
