Der Befehlsumfang der statistischen Umgebung XploRe war über einen eigenen Index erschlossen, der Teil des Hilfesystems war. Er bot zwei getrennte Zugangswege an: einen alphabetischen über Stichwörter und einen thematischen über Funktionsgruppen. Diese Doppelung ist der eigentliche Gegenstand dieser Seite, denn sie beantwortet eine Frage, die jedes größere Softwarehandbuch stellen muss – wie findet ein Anwender einen Befehl, dessen Namen er nicht kennt?

Der alphabetische Weg
Der Stichwortindex führte über die Buchstaben von A bis Z, ergänzt um einen Eintrag für Bezeichnungen, die mit Sonderzeichen begannen. Die Anordnung entspricht dem Register eines Fachbuchs und dient demselben Zweck: dem schnellen Zugriff, wenn der gesuchte Begriff bereits bekannt ist. Wer eine Prozedur schon einmal benutzt hat und nur die Aufrufsyntax nachsehen will, ist hier am schnellsten.
Für eine Umgebung, deren Methodenbestand über Bibliotheken bereitgestellt wurde und durch eigene Quantlets der Anwender wuchs, war ein solches Register unverzichtbar. Der automatische HTML-Konverter des Hilfesystems trug neu hinzugefügte Routinen selbstständig ein, sodass das Verzeichnis mit dem tatsächlichen Bestand Schritt hielt und nicht von Hand nachgeführt werden musste.
Der thematische Weg
Der zweite Zugang ordnete die Befehle nach Funktionsgruppen. Er richtete sich an den umgekehrten Fall: Der Anwender weiß, welche Art von Aufgabe zu lösen ist – eine Verteilung schätzen, eine Grafik erzeugen, eine Zeitreihe glätten – kennt aber die Bezeichnung des passenden Verfahrens nicht. Eine alphabetische Liste hilft dabei nicht weiter, weil sie voraussetzt, was gesucht wird.
Die thematische Gliederung leistete zugleich etwas, das ein Register nicht kann: Sie machte den Umfang eines Gebiets sichtbar. Wer die Gruppe der Regressionsverfahren aufschlug, sah, welche Varianten überhaupt zur Verfügung standen – auch solche, nach denen er nicht gesucht hätte. Für eine Umgebung mit ausdrücklichem Lehranspruch ist dieser Nebeneffekt kein geringer.
Warum beide Wege nötig waren
Die Entscheidung, zwei Verzeichnisse zu pflegen statt eines, folgt aus der Beobachtung, dass Nachschlagen und Suchen verschiedene Vorgänge sind. Beim Nachschlagen ist das Ziel bekannt und nur der Weg dorthin gesucht; beim Suchen ist umgekehrt der Weg klar – die Aufgabe – und das Ziel unbekannt. Ein einziges Verzeichnis kann nur eine der beiden Bewegungen gut bedienen.
Dieselbe Unterscheidung erklärt, warum neben dem Index die Tutorials als eigener Bestand geführt wurden. Sie decken einen dritten Fall ab: Der Anwender weiß weder die Bezeichnung noch das Verfahren, sondern will sich in ein Gebiet einarbeiten. Fortlaufender Lehrtext, thematisches Verzeichnis und alphabetisches Register bilden damit drei aufeinander abgestimmte Zugänge zu demselben Bestand.
Einordnung
Dokumentation dieser Art ist heute Standard und wird kaum bemerkt, solange sie funktioniert. Um die Jahrtausendwende, als Software überwiegend mit gedruckten Handbüchern ausgeliefert wurde, war eine durchgehend verlinkte, aus dem Code heraus erzeugte und in mehreren Ordnungen erschlossene Hilfe nicht die Regel. Dass die Academic Edition gleichwohl ein Handbuch von 526 Seiten beilegte, zeigt den Übergangscharakter der Zeit.
Gepflegt wurde der Bestand von MD*TECH Method and Data Technologies, dem Unternehmen hinter dem Vertrieb der Umgebung. Die statistische Grundlage – die dokumentierten Verfahren selbst – entstand im Kreis der Statistiker an der Humboldt-Universität zu Berlin, aus dem auch die e-book-Reihe und die konzeptionelle Ausrichtung der Umgebung hervorgingen.
Der Index als Spiegel des Bestands
Ein Verzeichnis, das aus dem Code erzeugt wird, hat eine Eigenschaft, die ein von Hand gepflegtes nicht haben kann: Es kann nicht veralten. Was im Index steht, existiert; was existiert, steht im Index. Bei Software, deren Methodenbestand durch die Anwender selbst wächst, ist dieser Gleichlauf mehr als eine Bequemlichkeit – ohne ihn wäre der Index binnen kurzer Zeit unbrauchbar geworden.
Umgekehrt macht ein solcher Index den Umfang einer Umgebung überhaupt erst messbar. Die Zahl der Einträge und die Breite der Funktionsgruppen sagen mehr über den tatsächlichen Leistungsumfang aus als jede Produktbeschreibung.
