Die Java-Schnittstelle von XploRe: netzbasierte Datenanalyse

Neben den gewöhnlichen Programmfassungen für Windows und Unix beziehungsweise Linux bot XploRe einen netzbasierten Zugang an. Über ein in Java geschriebenes Klientenprogramm ließ sich ein XploRe-Server nutzen, der auf einem entfernten Rechner lief. Die Rechenarbeit fand damit nicht mehr zwingend auf dem Gerät des Anwenders statt – eine Trennung, die Ende der 1990er-Jahre noch selten umgesetzt wurde und die den Zugang zu rechenintensiven Verfahren deutlich vereinfachte.

Reihe von Arbeitsplatzrechnern auf langen Tischen in einem Universitäts-Rechnerraum, Netzwerkkabel führen zu einem Verteiler an der Wand

Der Aufbau: Klient und Server

Der entscheidende Gedanke dieser Architektur war die Aufteilung in zwei Teile. Der Server übernahm den rechnenden Teil: Er hielt die statistischen Bibliotheken, führte die Quantlets aus und lieferte Ergebnisse zurück. Der Klient war für die Benutzeroberfläche zuständig – für Eingabe, Darstellung und Bedienung. Beide Teile verständigten sich über das Internet mittels eines auf TCP/IP aufsetzenden Protokolls.

Diese Trennung hatte mehrere praktische Folgen. Der Anwender benötigte auf dem eigenen Rechner keine vollständige Installation der Umgebung mehr, sondern lediglich einen geeigneten Browser. Rechenleistung, Speicher und die Pflege der Bibliotheken lagen auf der Serverseite und damit in der Verantwortung derjenigen, die den Server betrieben. Umgekehrt hing die Nutzbarkeit von einer funktionierenden Netzverbindung ab – bei den damaligen Übertragungsraten keine Nebensächlichkeit.

Serverstandorte

Für die Nutzung standen mehrere Server an verschiedenen Standorten zur Verfügung. Der Anwender konnte einen dieser Rechner für die eigenen Berechnungen auswählen. Da die Rechenlast verteilt lag, konnte auch eine größere Zahl gleichzeitiger Nutzer bedient werden, ohne dass ein einzelner Standort überlastet wurde. Für Lehrveranstaltungen war das ein wesentlicher Punkt: Ein ganzer Kurs konnte mit derselben Umgebung arbeiten, ohne dass auf jedem Arbeitsplatz eine Installation eingerichtet werden musste.

Zugang über ein Java-Applet

Der Zugang erfolgte über ein Java-Applet, das im Browser ausgeführt wurde und die Bedienoberfläche des Klienten bereitstellte. Voraussetzung war ein Browser, der Java in der Version 1.1 oder 1.2 unterstützte und die damals noch nicht durchgängig verbreitete Swing-Klassenbibliothek verarbeiten konnte. Für die Einrichtung stellte die Dokumentation eine eigene Anleitung bereit, die durch die notwendigen Installationsschritte führte; ältere Browser wurden gegebenenfalls zunächst auf die Installation der Java-Unterstützung geleitet.

War der Browser entsprechend vorbereitet, ließ sich der Klient unmittelbar starten. Anwender, die mit der Schnittstelle bereits vertraut waren und ihr System eingerichtet hatten, konnten den Einrichtungsteil überspringen und direkt in die Arbeit einsteigen.

Historische Einordnung

Die Java-Schnittstelle von XploRe fällt in eine Phase, in der Java als Sprache für plattformunabhängige Anwendungen im Browser große Erwartungen weckte. Die Idee, eine rechenintensive Anwendung als dünnen Klienten auszuliefern und die Last auf einen Server zu verlagern, ist seither zum verbreiteten Muster geworden – heute unter anderen Namen und mit anderen technischen Mitteln. Applets selbst verschwanden dagegen: Browserhersteller entfernten die Unterstützung für Java-Plugins im Laufe der 2010er-Jahre, sodass Anwendungen dieser Bauart nicht mehr lauffähig sind.

Für die Einordnung der Umgebung bleibt der Punkt dennoch bemerkenswert. Statistische Software war zu dieser Zeit typischerweise ein lokal installiertes, oft teures Paket. Ein Zugang, der ohne Installation auskam und die Rechenleistung an anderer Stelle bereitstellte, senkte die Schwelle für Lehre und Ausbildung erheblich. Diese Ausrichtung auf Lehre und Forschung prägte die Umgebung insgesamt – nachzulesen auf den Seiten zur Produktphilosophie und zur Academic Edition.

Was von der Idee blieb

Die technische Umsetzung ist überholt, der Gedanke dahinter nicht. Rechenlast auf einen Server zu verlagern und im Browser nur die Bedienung zu belassen, ist inzwischen die übliche Bauform für Datenanalyse-Werkzeuge; heutige Notebook-Umgebungen, die im Browser laufen und ihre Berechnungen an einen Kern auf einem anderen Rechner übergeben, folgen demselben Muster. Neu ist daran vor allem, dass die Übertragungsraten und die Browsertechnik inzwischen tragen, was damals an beiden Stellen an Grenzen stieß.

Für die Einordnung der Umgebung ist der Punkt auch deshalb wichtig, weil er zeigt, dass die Trennung von Rechenkern und Bedienoberfläche nicht aus einer Mode heraus entstand, sondern aus einem konkreten Mangel: Rechenleistung war knapp, Installationen waren aufwendig, und Lehrveranstaltungen brauchten viele gleichartige Arbeitsplätze. Wo diese Bedingungen zusammentreffen, ergibt sich der Aufbau von selbst.