Zur statistischen Umgebung XploRe gehörte eine Reihe elektronischer Lehrbücher, die unter der Bezeichnung e-books geführt wurden. Sie erschienen in HTML und als PDF und deckten ein breites Feld der angewandten Statistik ab – von der multivariaten Analyse über die Risikomessung bis zur Wavelet-Theorie. Das Besondere an der Reihe lag nicht im Format, sondern in der Verzahnung von Text und Rechenbeispiel: Jeder Band war mit Quantlets hinterlegt, also mit ausführbaren Routinen der XploRe-Umgebung, die die im Text entwickelte Theorie unmittelbar nachrechenbar machten.

Der Aufbau der Reihe
Ein Lehrbuch der Reihe bestand in der Regel aus mehreren Bestandteilen. Neben dem eigentlichen Text standen bei mehreren Titeln Vortragsfolien zur Verfügung, die für den Einsatz in Vorlesungen gedacht waren, sowie die zugehörigen Quantlets. Bei einzelnen Bänden kamen Übungsaufgaben mit Lösungen hinzu. Der Zugang zu den elektronischen Fassungen war passwortgeschützt; die PDF-Ausgaben waren nicht druckbar angelegt. Auskunft über die Konditionen erteilte MD*TECH, das Unternehmen, das die Umgebung vertrieb.
Parallel zu den elektronischen Ausgaben erschienen gedruckte Fassungen in Zusammenarbeit mit dem Springer-Verlag, teilweise einschließlich einer Buchausgabe auf CD. Elektronische und gedruckte Ausgabe standen damit nicht in Konkurrenz, sondern bedienten unterschiedliche Nutzungsformen – das Buch für die durchgehende Lektüre, die elektronische Fassung für das Arbeiten am Rechner mit den mitgelieferten Routinen.
Die Titel der Reihe
Zum Zeitpunkt der Zusammenstellung umfasste die Reihe zehn Bände:
- Applied Multivariate Statistical Analysis – W. Härdle, L. Simar. Verfügbar als HTML- und PDF-Ausgabe, mit Vortragsfolien, Quantlets sowie Übungsaufgaben und Lösungen.
- Empirische Prozesse – L. Dümbgen. Der einzige durchgehend deutschsprachige Titel der Reihe, verfügbar in HTML und PDF.
- Measuring Risk in Complex Stochastic Systems – J. Franke, W. Härdle, G. Stahl.
- Non- and Semiparametric Modelling – W. Härdle, M. Müller, S. Sperlich, A. Werwatz. Mit Vortragsfolien und Quantlets.
- Partially Linear Models – W. Härdle, H. Liang, J. Gao.
- Risk Theory I – C. Hipp. Mit zugehörigen Quantlets.
- Robust Estimation in Linear Models – J. Antoch, H. Ekblom, J. Á. Víšek. Ausgabe als PDF.
- Statistics of Financial Markets – J. Franke, W. Härdle, C. Hafner. Mit Vortragsfolien und Quantlets.
- Wavelets – W. Härdle, G. Kerkyacharian, D. Picard, A. Tsybakov. Mit Quantlets.
- XploRe – Applications Guide – W. Härdle, Z. Hlávka, S. Klinke. Mit Quantlets.
Thematische Schwerpunkte
Die Auswahl der Titel spiegelt die Forschungsschwerpunkte der beteiligten Statistiker. Ein Strang befasst sich mit multivariaten Verfahren und nichtparametrischer Modellierung, also mit Methoden, die auf feste Verteilungsannahmen verzichten und die Struktur stattdessen aus den Daten selbst schätzen. Ein zweiter Strang widmet sich der quantitativen Finanzstatistik und der Risikomessung – Themen, die Ende der 1990er-Jahre stark an Bedeutung gewannen, als Banken begannen, Marktrisiken systematisch zu modellieren.
Ein dritter Strang behandelt methodische Grundlagen: empirische Prozesse, robuste Schätzung in linearen Modellen und Wavelets. Diese Bände richteten sich weniger an Anwender als an Leser mit mathematischem Interesse an den Verfahren selbst. Der Applications Guide schließlich nahm eine Sonderstellung ein: Er dokumentierte weniger eine statistische Theorie als den praktischen Einsatz der Umgebung anhand ausgearbeiteter Beispiele.
Bedeutung des Konzepts
Die Verbindung von Lehrbuch und ausführbarem Rechenbeispiel war zur Entstehungszeit der Reihe keineswegs üblich. Wer ein statistisches Verfahren aus einem gedruckten Buch nachvollziehen wollte, musste es in der Regel selbst implementieren – mit allen Fehlerquellen, die das mit sich bringt. Die Quantlets nahmen diesen Schritt ab und machten die Beispiele reproduzierbar. Für die Lehre bedeutete das, dass sich eine Vorlesung, die Folien, die Übungsaufgaben und der Rechencode aus einer Quelle bedienen konnten. Weitere Bereiche der Umgebung beschreiben die Seiten zu den Tutorials und zum Hilfesystem.
Formate und ihre Grenzen
Angeboten wurden die Bände in HTML und als PDF; bei einzelnen Titeln war zusätzlich PostScript vorgesehen. Die Formatwahl spiegelt den Stand der Zeit: HTML für das Lesen am Bildschirm und die Verlinkung untereinander, PDF für ein stabiles Seitenbild, PostScript für den Druck über die damals in Rechenzentren verbreiteten Geräte. Dass die PDF-Ausgaben nicht druckbar angelegt waren, gehörte zum Zugangsmodell und nicht zur Technik.
